Rail Baltica Growth Corridor | Januar 2011
Das transeuropäische Projekt „Rail Baltica Growth Corridor“ (RBGC) setzt sich ab 2011 bis 2013 zum Ziel, die Erreichbarkeit der östlichen Gebiete der Ostseeregion zu verbessern. Das Projekt ermöglicht den Städten, dem Transportsektor und den Bürgern, an der strategischen Planung der Rail Baltica-Eisenbahnverbindung
teilzuhaben, die eine Direktverbindung vom wachsenden Markt Nordwest-Russlands bis hin zum Kern Europas verspricht.
Geplant ist, dass Rail Baltica in Zukunft die östlichen Anrainer der Ostsee einerseits mit Helsinki und St. Petersburg, anderseits mit Warschau und Berlin verbindet. Hierbei will die EU die Kohäsion der Baltischen Länder, der östlichen Ostseeregion und der Europäischen Union fördern. Zurzeit ist die Verkehrsinfrastruktur in der Ostseeregion, besonders auf der Nord-Süd-Achse, nicht ausreichend für den zunehmenden Personen- und Güterverkehr.
Herr Olli Keinänen, der die Stadt Helsinki beim RBGC vertritt, berichtet: „Physisch existiert Rail Baltica schon, da die Gleise vorhanden sind. In der Praxis werden sie jedoch nicht genutzt, weil die Regelungen und Modalitäten in jedem Land anders sind, so dass sich das Transportieren über Schienen wirtschaftlich nicht rentiert. Der RBGC ermöglicht die Realisierung der Rail Baltica, indem er Netzwerke, Zusammenarbeit, IT und Verkehrsanbindungen zwischen den Städten und Regionen fördert. Dadurch wird eine bessere Mobilität für Fracht und Passagiere gewährleistet.“
Die Umweltfreundlichkeit spielt eine wichtige Rolle bei Rail Baltica, so Keinänen: „Das langfristige Ziel ist, den Transport in Europa von den Straßen auf die Schienen zu verlagern. Das entspricht dem ‚Green Corridor‘-Prinzip, wonach die Kohlendioxidemissionen um ein Drittel reduziert werden sollen.“
Städte im Zentrum des Rail Baltica Growth Corridor
„Städte spielen eine wichtige Rolle in der Verwirklichung der Rail Baltica, da die Anbindung an die lokalen Verkehrsnetze in den Städten geschieht“, berichtet Keinänen.
Der Hauptpartner des RBGC ist die Stadt Helsinki und das Projekt wird von der Aalto University School of Economics CEMAT koordiniert. Darüber hinaus hat RBGC 21 Partner und 24 assoziierte Organisationen aus sechs Ländern: Städte, Regionen und Forschungsinstitute sowie Ministerien, Transportprojekte und staatliche
Eisenbahnunt
ernehmen. Das Ostseeprogramm der EU finanziert das Projekt mit 3,6 Mio. Euro.
Keinänen erläutert: „Helsinki wurde als Hauptpartner des RBGC ausgewählt, weil es dabei eine Schlüsselrolle spielt und die Erreichbarkeit der Stadt durch die neue Verbindung deutlich verbessert wird. Außerdem ist die jährliche Zahl von 6 Mio. Passagieren zwischen Helsinki und Tallinn ein wichtiger Faktor im Verkehr der
Ostseeregion. Der Markt zwischen den beiden Städten vereint sich und das neue Verkehrssystem beschleunigt diese Entwicklung.“
Pilotprojekte fördern multimodalen Transport
Im Rahmen des RBGC werden zwei Pilotprojekte ins Leben gerufen. Beim ersten Projekt handelt es sich um einen integrierten Tür-zu-Tür-Routenplaner für die Rail Baltica-Region, der sowohl den Fernverkehr als auch den regionalen Personen- und Güterverkehr umfasst. Keinänen erklärt: „Die Internetplattform wird die aktuellen
Fahr- und Routenpläne des Straßen-, Bahn-, Flug- und Seetransports einbeziehen. Nur der schwer planbare Bustransport bleibt außerhalb des Routenplaners.“
Das zweite Pilotprojekt hat zum Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Logistikzentren entlang Rail Baltica zu vertiefen und die Hindernisse des multimodalen Verkehrsnetzes abzubauen. „Wenn die Standards angepasst werden, können Lieferanten ihre Transportform auf Basis der Effektivität wählen. Durch diese Pilotprojekte entstehen bereits kurzfristig Fortschritte in den Verkehrssystemen“, sagt Keinänen.